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Zum Selbstverständnis unserer Schule
Wer die belebte Leopoldstraße hinter sich lässt und eine Durchfahrt am schuleigenen Theater vorbei passiert, sieht auf einen Schulhof mit Bäumen und auf ein helles, durch viele Fenster Licht einlassendes Schulgebäude. Darin vermitteln die farblich unterschiedlich gestalteten Klassenzimmer mit ihren Holzfußböden, oft auch Decken aus Holz, den Eindruck von Wärme und Geborgenheit; sie regen den Sinn für Formen an, bieten Freiräume für das Lernen.
Jeder Schultag beginnt für die Klassen 1 bis 12 mit stets zweistündigem Hauptunterricht, gegliedert in thematische Epochen: Deutsch, Mathematik, Sachkunde, Formenzeichnen, Geschichte, später auch Naturwissenschaften stehen jeweils für 2 bis 4 Wochen auf dem Tagesplan. Er eröffnet den Schülern die Möglichkeit, sich intensiv mit dem Stoff zu verbinden, ihn über längere Zeit zu verarbeiten, später in verwandelter Form aufzugreifen. Auch der Stundenplan für die übrigen Fächer (wobei die Klassen meist in 2 Lerngruppen aufgeteilt sind) ist möglichst rhythmisch gegliedert: Fächer mit theoretischer Ausrichtung wechseln ab mit praktischen und künstlerischen. Der Lehrplan orientiert sich an der Entwicklung des Kindes und Jugendlichen: Jeder Altersstufe entsprechen eine spezifische Methodik des Lehrens und eine angemessene Thematik des Lernens.
Unter Lernen verstehen wir nicht allein das Vermitteln abfragbaren Wissens. Kognitive Fähigkeiten sind wichtig, ebenso aber emotionale Intelligenz, soziale Kompetenz und praktische Fertigkeiten. Folglich umfasst Lernen an unserer Schule viele Gebiete und Erfahrungsbereiche. Bewusst behalten wir die Klassengemeinschaft bei, in der die Schüler 12 Jahre zusammen einen Weg gehen, auf dem sie einander zu akzeptieren lernen, in ihren Besonderheiten annehmen, Freundschaften schließen, Vertrauen entwickeln und Konflikte bewältigen.
Die gegenseitige Akzeptanz unterstützt der breite Fächerkanon. Er verschafft den Schülern nicht nur den für ihren Berufs- und Lebensweg nötigen Bildungshintergrund, sondern ermöglicht ihnen auch, einander in unterschiedlichen Begabungen zu erleben und zu schätzen. Wer sich im einen Fach schwer tut, kann im anderen an der Klassenspitze stehen. Alle Fächer werden unabhängig von ihrer Wochenstundenzahl gleichwertig behandelt. So lernen die Schüler, sich im großen Lernspektrum zu orten und den Anderen gebührend wertzuschätzen.
Nicht nur die Schüler, auch Lehrer und Eltern sind Teil eines beständigen Lernprozesses. Ihnen ist aufgegeben, die Schüler zu ihrer Individualität zu erwecken, in ihrer Entwicklung optimal zu fördern, in die heutige Welt einzuführen. Waldorfpädagogik wollen wir in der für eine Großstadtschule gemäßen Form realisieren.
Denken, Fühlen und Wollen der Schüler sollen gleichermaßen angesprochen und angeregt werden. Bei allem Lernen ist die innere Verbindung zum Stoff maßgebend, die sich in geglückter Weise als Begeisterung äußert. Die zeigt sich besonders bei den aus dem Schulalltag herausragenden Projekten, Exkursionen, Praktika, Konzerten, Theaterspielen. Hier erleben sich Schüler neu und lernen in anderer Weise. Begeisterung beflügelt Lernen und regt die Fantasiekräfte an.
Als Schule in freier Trägerschaft wissen wir: Schüler zur Freiheit zu erziehen, bedeutet auch Erziehung in Freiheit. Lehrer brauchen Freiheit, um didaktisch und methodisch selbstverantwortlich zu handeln und so ihren Schülern das ihnen gemäße Lernen zu ermöglichen. Um sich in ihren pädagogischen Aufgaben gegenseitig zu unterstützen konferieren die Lehrer wöchentlich und kooperieren mit den Eltern. Dabei unvermeidliche Meinungsverschiedenheiten und Konflikte produktiv zu ergreifen und konstruktiv auszutragen, ist eine Lernaufgabe für Schüler, Eltern und Lehrer. Das Ziel, Anspruch und Wirklichkeit an jedem Schultag zur Deckung zu bringen, zählt zu den elementaren inneren Verbindungen des Kollegiums.
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